Für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ist es, unabhängig vom Alter eine enorme psychische und auch körperliche Belastung. Die Krankenkassen haben so ihre Vorgaben und bezahlen nur, wenn die Frau nicht älter als 40 und der Mann nicht älter als 50 Jahre ist.

Deshalb wächst der Druck besonders für Frauen , wenn der 40. Geburtstag immer näher rückt.

Oft mal hört man dann im Bekanntenkreis: „Warum hast du denn nicht früher angefangen?“

Doch so einfach ist es natürlich nicht. Viele Frauen kümmern sich erstmal um eine fundierte Ausbildung und wenn sie dann mit dem Studium fertig sind, muß ja auch noch der richtige Partner an der Seite sein.

Frauen gebären immer später

Deshalb beginnen viele Paare erst mit Mitte 30 sich über die Familienplanung überhaupt Gedanken zu machen.

Die Zeiten haben sich geändert. Heutzutage sind die meisten Frauen berufstätig. Doch damals waren die Frauen oft einfach „nur“ Hausfrau, so wie auch meine Mutter.

Als ich geboren wurde war meine Mutter 42 Jahre alt. Für mich als Kind war das damals echt schwer, denn ich wurde oft gehänselt. Oft hies es: „ Da kommt deine Oma.“ Ich war echt eine Ausnahme mit meinen „alten“ Eltern. Ich gebe aber auch offen zu, dass ich durchaus auch Vorteile dadurch hatte.

Meine Eltern waren durch meine wesentlich älteren Schwestern schon abgeklärt und so durfte ich viele Dinge, die meine Altersgenosssen nicht durften. Sie waren ruhiger und geduldiger durch ihre Lebenserfahrung, meistens jedenfalls.

Wie ist es heute?

Heute ist die Rolle der Frau ganz anders. Heute sind die Frauen selbstbestimmt, modern und haben ihren eigenen Kopf.

Viele Frauen kümmern sich erst ein, mal um eine fundierte Ausbildung und wenn sie dann mit dem Studium fertig sind, muß ja auch noch der richtige Partner an der Seite sein. Auch möchten viele Frauen erst einmal etwas erleben und zum Beispiel viele Reisen unternehmen. Man möchte sich etwas aufbauen und finanziell abgesichert sein.

Und wenn dann alles stimmt, tja dann klappt es leider nicht immer so schnell, wie man sich das wünscht.

Der Druck nimmt zu

Am Anfang geht man noch ganz locker an den Kinderwunsch heran. Es ist ja noch genug Zeit , denken viele. Man plant und stellt sich das perfekte Babyglück vor. Und selbst, wenn nach einem Jahr sich noch nichts tut, bleibt man relativ gelassen, denn man hat ja von seinem Frauenarzt gehört, dass das ganz normal ist.

Aus meiner Erfahrung heraus beginnt nach einem Jahr des Kinderwunsches so langsam der Druck zu wachsen und man stellt sich die Frage nach dem „Warum klappt es bei uns nicht?“.

Und dann beginnt oft die Achterbahn der Gefühle. Wir Frauen neigen dazu die „Schuld“ erstmal bei uns zu suchen. „War ich zu gestresst oder hab ich vielleicht zu viel Sport getrieben oder hab ich mich zu ungesund ernährt?“ sind die ersten Gedanken die da kommen.

Die Suche nach dem Warum geht weiter. Die ersten Untersuchungen werden gemacht und eventuell wird auch etwas festegstellt und man beschäftigt sich mit den Kinderwunschkliniken und Kinderwunschpraxen Es wird therapiert und wenn sich weiter nichts tut wird weitergesucht. Das Sperma des Mannes wird untersucht, denn vielleicht ist ja auch er „schuld“.

Die heimlichen Schuldzuweisungen sind auch immer wieder Thema bei mir in der Praxis, denn auch die Partnerschaft wird auf die Probe gestellt.

Sich Grenzen setzen

Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich , dass Paare bereit sind fast alles für ein eigenes Kind zu tun.

Sie gehen oft über ihre köperlichen, emotionalen und auch finanziellen Möglichkeiten. Oftmals merken die Betroffenen das erst, wenn es fast zu spät ist.

Sinnvoll aus meiner Sicht ist es, offen über die eigenen Bedürfnisse mit dem Partner zu reden.

Es ist wichtig sich im Vorfeld Grenzen zu setzen. Wie weit ist man bereit die finanziellen Mittel aufzubringen, bis zu welchem Alter möchte ich den Kinderwunsch verfolgen und wie sieht es mit der eigenen Gesundheit aus? Wo sind Grenzen?

Abschied vom Kinderwunsch

Natürlich wissen die Paare, dass mit zunehmendem Alter es naturbedingt schwieriger wird schwanger zu werden. Schwieriger, aber eben nicht unmöglich und das lässt Viele hoffen.

Doch was, wenn die Grenzen erreicht sind und man sich auf ein Leben ohne Kind einstellen muß?

Es ist wichtig sich andere Lebensmodelle vorzustellen und zu erarbeiten. In diesen Fällen ist es ratsam sich professionelle Hilfe zu holen, um wieder Klarheit zu bekommen und um mit dem Schmerz umzugehen, der so ein Abschied mit sich bringt.

Eine Patientin von mir hat es nach überstandener Trauer so beschrieben:

„Endlich bin ich wieder mein eigener Kapitän auf meinem Schiff und hab das Ruder wieder fest in der Hand, gleichgültig wie stürmisch das Meer auch ist.“